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QRP-Antenne für den Urlaub


Natürlich kann man den Urlaub zur DX-Pedition machen, dem Hobby also alles unterordnen. Man kann aber auch mit Hilfe weniger kg Ausrüstung den Urlaub mit ein paar QSOs würzen – speziell wenn man noch des Morsens mächtig ist oder zusätzlich einen Laptop mitnimmt. Dann ist PSK31 die Betriebsart der Wahl...

EA8/DL4NO/p QRV Das sperrigste Element einer Kurzwellenstation ist die Antenne. Vorher weiß man auch selten, welche Antennenmöglichkeiten sich im Quartier ergeben werden. Generell gilt: Wer sich in einem großen Hotel einquartiert, wird weniger Freiheiten haben als in einer kleinen Anlage. Meist wird eine Matchbox hilfreich sein, denn mit Transistoren bestückte Sender wollen nun mal 50 Ω "sehen".

Grundsätzliche Antennenmöglichkeiten im Urlaub

  • Vertikalantennen lassen sich wohl am einfachsten mit Fiberglasrohren und Draht verwirklichen. Problematisch ist die Befestigung: Einen Sonnenschirmständer wird man wohl nicht mitnehmen können und irgendwelche Klemmenkonstruktionen brauchen ein Gegenlager. Zudem ist so ein Spargel relativ auffällig. Die Gegengewichte muss man auch irgendwie unterbringen, ohne dass jeder gleich darüber stolpert.verdrillte Leitung passt durchs geschlossene Fenster
  • Endgespeiste Antennen sind dann reizvoll, wenn die hochohmig gespeist werden. Sie brauchen dann praktisch kein Gegengewicht. Ein 20 m langer Strahler ist auf 40 m λ/2 lang. Er lässt sich auf 40, 20 und 10 m hochohmig speisen, auf anderen Bändern helfen die Matchbox und das Balkongeländer als Gegengewicht weiter. Auf 80 m ist der Strahler niederohmig und der unten beschriebene Balun im Weg, aber auf dieses Band wird man bei einer QRP-Station im Sommer sowieso verzichten müssen.
    Traditionelle Speisungen wie bei der Fuchsantenne transformieren mit Schwingkreisen. Heute wird man den Strahler eher mit einem 4:1-Balun an das Koaxkabel anschließen und den Rest mit der Matchbox auf 50 Ohm hinbiegen. Praxistipps zum Wickeln von Baluns enthält z.B. [1].
  • Drahtdipole lassen sich recht einfach verstecken. 50 m Schaltdraht sind alles, was man so typisch braucht: In südlichen Ländern wird man meist auf Flachdächer stoßen, auf denen von der Satellitenantenne über den Wasserbehälter bis zum Lüftungsrohr so manches rumsteht, an dem man die Antenne befestigen kann. Kabelbinder eignen sich gut als Befestigungsmaterial und Endisolatoren. Bleibt die Ableitung, die möglichst unauffällig sein sollte. Hier bietet sich an, einfach die beiden Schaltdrähte von den Dipolhälften zu verdrillen und als Ableitung zu benutzen. Dieses Kabel passt sogar durch die meisten geschlossenen Fenster.

Solch ein Drahtdipol ist natürlich ein Kompromissgebilde. Die wohl meist geringe Aufbauhöhe verstimmt die Antenne und verringert die Flachstrahlung. Es ist trotzdem eine gute Idee, die Antenne auf den typischen Arbeitsfrequenzen in Resonanz zu bringen. Das minimiert den Blindstrom auf der Ableitung und in der Matchbox, die sowieso relativ hohe Verluste haben.

Eine Leitung aus verdrilltem Schaltdraht hat in der Größenordnung 100 Ohm Wellenwiderstand (XW) – das ist genau die Technik, die wir vom twisted pair Netzwerkkabel her kennen. Wenn die Leitung für die Arbeitsfrequenz λ/4 lang ist, transformiert sie die Impedanz X1 am einen Ende in die Impedanz X2 am anderen Ende nach der Beziehung:

X2= XW2/X1

Konkret: Ein λ/2-Dipol für 40 m ist rund 20 m lang – das sollte auf dem Dach eines Wohnungsblocks oder Hotels unterzubringen sein. 5 m Ableitung sind dann λ/8 lang, stören also nicht groß. Auf 20 m wirkt der Dipol als Ganzwellen-Dipol, ist also in der Mitte hochohmig – nehmen wir einfach mal 1 kΩ an. Die Ableitung ist jetzt λ/4 lang, transformiert also nach

(100 Ω)2/1000 Ω = 10 Ω

Das ist wohl eher im Transformationsbereich der Matchbox als 1 kΩ, zumal die Verluste der Ableitung diesen Wert sicher erhöhen.

Sehr wichtig ist eine nicht strahlende Ableitung. Akkustisch wird man den Fernseher der XYL im Hintergrund ausblenden können, nicht aber die Oberwellen der Horizontalablenkung. Hier hilft nur, die Ableitung am Strahlen zu hindern und die Betondecke als Abschirmung zu nutzen. Je ein Ferritring oben und unten auf Koaxkabel oder symmetrischer Leitung sollten genug Mantelwellensperre sein, um für Ruhe zu sorgen. Dagegen wird man mit der Konstruktion Antenne gegen Wasserleitungsrohr kaum glücklich [2]. Zumal in südlichen Ländern das Wasserleitungsrohr häufig ein Wasserleitungsschlauch ist.

Wem mein Konzept als zu primitiv erscheint, kann sich ja an einer G5RV-Antenne versuchen. Frei aufgehängt funktioniert die sicher besser. Aber wer im Urlaub nebenbei mal ein paar CW-QSOs fahren will, ist mit meiner Lösung flexibler.

Literatur

[1]: Wippermann, W.: Warum funktionieren manche Baluns nicht richtig? Auf die Wickeltechnik kommt es an
In: cqDL 5/2002, S. 341ff
[2]: Schick, Rolf: Speisetechniken für Multibanddipole
In: cqDL 8/2005, S. 537ff
Verbindung Madeira – Belgien
Verbindung Madeira – Gotland
Verbindung Madeira – Deutschland
Verbindung Kanarische Inseln – Karibik
Verbindung Kanarische Inseln – US-Ostküste
Verbindung Kanarische Inseln – Weissrussland
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Alexander von Obert * http://www.dl4no.de/thema/qrp-ante.htm
Letzte Änderung: 18.04.06 (eingefügt: weitere QSL-Karte vom letzten Urlaub)


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