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Der Anfang des DX-Betriebs auf Kurzwelle


Es gilt als Gemeinplatz, dass die Funkamateure das Potential der Kurzwelle erkannten. Das ist richtig, aber aus heutiger Sicht schwer zu würdigen: Das Ganze begann in einem Frequenzbereich, in dem bis heute DX-Betrieb schwierig ist.

Der Stand der Technik Anfang der 1920er Jahre

Die ersten Jahrzehnte gab es Funk fast nur im Langwellenbereich. Mit Löschfunkensendern und Frittern im Empfänger galt als Regel, dass man etwa 1000 Wellenlängen weit funken könne. Wer also eine Verbindung über 10.000 km aufbauen wollte, musste eine Wellenlänge von wenigstens 10 km nutzen. Das entspricht einer Frequenz von 30 kHz oder weniger.

Diese Verhältnisse änderten sich mit den ersten Vakuumröhren. Die ließen sich lange nur bis in den niedrigen MHz-Bereich nutzen. Das lag ganz wesentlich an der Mechanik: Die Fertigungstechnik wurde von den Glühlampen abgeleitet was bedeutete, dass man die Systeme auf einem Glassockel aufbaute. So musste man alle Anschlüsse erst mal mehrere cm eng nebeneinander durch das Glasrohr bis zu den Anschlüssen führen. Weil das enorme technische Probleme verursachte, erhielten viele Röhren einen getrennten Anschluss auf der Oberseite, für das Steuergitter. Das war aber auch nur ein Notbehelf, weil man den Steuergitter-Anschluss zwar weit weg von den anderen Elektrodenanschlüssen hatte, aber der Eingangskreis schnell eine 20 cm lange Schleife wurde.

Die Verhältnisse in Großbritannien

Anfang der 1920er Jahre durften Funkamateure in GB eine Wellenlänge von 440 m nutzen. Mit der Technik der Zeit bedeutete das 300-500 m, oder 1,0 bis 1,5 MHz. Die damals überbrückten Entfernungen reichten bis vielleicht 150 km. Man erkannte, dass die Bedingungen nachts besser waren als tagsüber. Die ersten Verbindungen von London nach Schottland oder von GB in die Niederlande, Frankreich oder Skandinavien wurden möglich. Verbindungen in die Schweiz waren häufiger als solche nach Deutschland – was sicher ganz wesentlich an der restriktiven Handhabung des Fernmeldemonopols in Deutschland lag. Die meisten Stationen durften mit 10 W senden. DX bedeutete damals ganz generell Entfernung.

Im Winter 1922-23 gelangen die ersten Transatlantikverbindungen. Die gelangen aber nur Stationen mit Sondergenehmigungen für 500 W (vermutlich Sender-Eingangsleistung). Dabei muss man bedenken, dass das nach heutigen Verhältnissen Verbindungen im Mittelwellenbereich waren. Bis vor wenigen Jahren konnte von so etwas in Europa kaum jemand auch nur träumen, weil das Mittelwellenband dicht mit hiesigen Mittelwellensendern belegt war. Mittlerweile gibt es im Mittelwellenbereich zwar zahlreiche freie Kanäle, aber amerikanische Mittelwellenstationen werden da wohl nur die wenigsten hören können. OK, die Briten haben da einen gewissen Lagevorteil...

Spätestens 1926 gab es die ersten Funkamateure, die das 20m-Band nutzen konnten. Man stellte fest, dass man auf den höheren Frequenzen leichter arbeiten konnte. Entsprechend wurde 180m wieder zur regionalen Spielweise. Im Winter 1931-32 ließen sich auf 7 MHz Europa-Verbindungen auf 7 MHz (40 m) ähnlich leicht herstellen wie auf 1,8 MHz (180 m). Bedenkt man, dass eine gute Antenne eine halbe Wellenlänge lang sein sollte, war das ein gewichtiges Argument für 40m. Es ist anzunehmen, dass ab dann reichlich internationale Verbindungen auf den höheren Bändern hergestelt wurden. Darüber sagt aber meine Quelle [1] natürlich nichts.

1927 teilte die Weltfunkkonferenz in Washington erstmals die Frequenzen zwischen 3 MHz und 30 MHz in einzelne Bänder auf, die jeweils bestimmten Funkdiensten zugewiesen wurden. Seitdem gibt es die harmonisch liegenden Kurzwellen-Amateurfunkbänder bei 160 m bis 10 m. Die genauen Bandgrenzen wurden immer weider mal verschoben, etwa um das 41 m-Rundfunkband auf Kosten des Amateurfunks auszuweiten.

Im Dezember 1932 konnten einige Neuengland-Stationen auf 1,7 MHz in GB aufgenommen werden. Für den Februar 1933 wurden Tests vereinbart und jetzt gelangen auch 10W-Stationen Verbindungen über den Nordatlantik. Wesentlichen Anteil an den Erfolgen hatten wohl einige mächtige Antennen auf US-Seite. Man vergleiche das mit heutigen EME- (Erde-Mond-Erde-) Verbindungen, die zu den Big Guns auch mit recht überschaubarem Aufwand gelingen.

Im Januar 1939 gab es sehr gute Bedinungen auf 1,7 MHz. W1BB konnte insgesamt 10 britische Stationen arbeiten. Dann kam der 2. Weltkrieg mit dem vorläufigen Ende für den Amateurfunk.

Nach dem Krieg auf 160 m

Unmittelbar nach dem Krieg durften die britischen Funkamateure nur auf 10m arbeiten. Ab 1. April 1946 wurde dann das 160-m-Band freigegeben, das vorzugsweise für den Lokalbetrieb genutzt wurde. Für den Winter 1948-49 sind einige wenige Transatlantik-Verbindungen bekannt. Im Januar 1950 gab es einige Verbindungen zwischen GB und Kanada (VE1EA und VE1ZZ). Bis in die 1960er Jahre muss 160m eine große Rolle für die britischen Funkamateure gespielt haben.

Im März 1951 konnte ZL1AH erstmals G5GM auf 160 m hören. Die Erstverbindung auf 160m GB-Neuseeland musste bis 1953 warten, weil das 160m-Band erst dann in Neuseeland freigegeben wurde.

In Deutschland war der Zugang zum 160m-Band sehr lange stark eingeschränkt, sowohl was Sendeleistungen als auch erlaubte Frequenzbereiche betrifft. So gab es letztlich nur eine SSB-Frequenz (1834 kHz?). Der innerdeutsche Verkehr lief deshalb nachts auf 80m und tagsüber nach Möglichkeit auf 40m.

Literatur

[1]Thomas, L.H. (G6QB): Forty Years on Top Band
in: The Shortwave Magazine, December 1962, p. 517ff (London, GB)
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Alexander von Obert * http://www.dl4no.de/thema/deranfan.htm
Letzte Änderung: 17.04.16 (Erstfassung)


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